Total Liberation – oder der Widerspruch in sich

Total Liberation ist eine politische Bewegung, die Anarchismus mit der Bestrebung verbindet, Tiere und die Welt zu befreien. Während sich konventionellere Anarchismuskonzepte oft primär gegen Staat und Kapitalismus richteten, so ist das Anliegen von Total Liberation, alle Unterdrückungsformen gegenüber Menschen, anderen Tieren und Ökosystemen zu bekämpfen.[1]Befürwortende von Total Liberation haben üblicherweise einen holistischen und intersektional-revolutionären Ansatz, der direkte Aktionen nutzt, um alle Formen von Herrschaft und sozialer Hierarchie zu beenden. Beispiele für diese Unterdrückungsformen sind: Staat, Kapitalismus, Patriarchat, Rassismus, Heterosexismus, Cissexismus, Disableismus, Ageismus, Speziesismus und Umweltzerstörung. (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Total_Liberation Stand 10.06.2018)

Mein erster Gedanke zu dieser Beschreibung von Wikipedia:

„Eine bestimmte Ansammlung von Menschen, die nur die o.g. Denke akzeptieren, Andersdenkende* ausschließt und null Toleranz zeigen, von den 68zigern  und Kommune l träumen und sich nicht erlauben richtig anzukommen.“

Dies ist natürlich nur meine persönliche Meinung und soll nicht pauschalisierend und für alle Total Liberation Fans gelten.

Ich bin eine sehr interessierte und neugierige Person, die auch gerne versucht andere Sichtweisen zu verstehen und ggf. die eigene Einstellung verändert und sich ausprobiert.  Ich begrüße auch ein gesundes Maß an Idealismus, allerdings keinen totalen Radikalismus.

Meines Erachtens ist dies ebenfalls der Nährboden für Ausgrenzung, Intoleranz und auch ein stück weit von Unterdrückung. Was muss doch Energie und Lebensqualität einem Menschen verloren gehen, welche*r nur darauf bedacht ist alles zu bekämpfen was nicht in das eigene Weltbild passt. Da sitzen diese Personen unter einer Kuppel von Träumereien nach Idealismus, Freiheit, Sozialismus und subjektiver Selbstverwirklichung.

Natürlich distanziere ich mich ganz klar von der Passivität dem Faschismus, der Unterdrückung von Tier und Mensch, Diskriminierung jeglicher Art, gegenüber. Hier ist ganz klar ein Aktionismus eines jeden Menschen von hoher Wichtigkeit. Ich wehre mich nur gegen die Radikalität dieser Liberationbewegung.

Ich empfinde die Ideologie dieser Gruppierung als sehr ungesund für Personen die nach sich selber auf der Suche sind. Das Selbstverständnis von Total Liberation gilt als absolut und beinhaltet m.E. destabilisierende Strömungen, die Personen komplett aus der Bahn werfen können. Der Schrei nach Autonomie und Freiheit ist in jedem Menschen verwurzelt. Allerdings den Wunsch in einer totalen Anarchie zu leben ist nur etwas für Träumer*innen. Ich bin kein*e Freund*in von Filmzitaten oder Filmtitel, allerdings fällt mir hier der Film „The Beach“ ein. Totale Freiheit gibt es nicht. Überall da wo zwei Menschen mit einer weiteren Person in Beziehung tritt, endet die Vorstellung von totaler Freiheit und wir haben uns alle so lieb, egal auf welcher Ebene. Automatisch entstehen Beziehungsstrukturen, die vielleicht zu Beginn noch von Harmonie und Freiheit geprägt sind, allerdings beginnt auch hier das entstehen von Gruppenstrukturen. Ach, Freiheit kann so anstrengend sein.

Bei Wikipedia wurden allein 9 bzw. 10 Bereiche aufgelistet, gegen welche Unterdrückungsformen diese Personen sind. Ich habe es noch einmal hier aufgeschrieben:

  1. Staat
  2. Kapitalismus
  3.  Patriarchat
  4. Rassismus
  5.  Heterosexismus
  6.  Cissexismus
  7.  Disableismus
  8. Ageismus
  9. Speziesismus

Gegen alle diese Themenbereiche ist überhaupt nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil. Nur bitte nicht so radikal und ohne Toleranz anders denkenden Menschen gegenüber!!! Rassismus nehme ich natürlich mal ganz klar hier wieder raus!

Um einen Punkt aufzugreifen:

Freiheit fängt für mich da an, wo ich als Veganer*in es zulasse, das neben mir eine  Person sitzt, welche ein Steak ist! Vielleicht wäre das der erste Schritt gegen Ausgrenzung und Unterdrückung, hin zur Aufklärung und vielleicht eine Anregung für eine fleischlose bzw. tierproduktfreie Ernährung! Nur mal so!!

Radikale Denke kann anderen Menschen Angst machen und sie verunsichern. Transparenz und emotionale Intelligenz sind hier m.E. gefragt.

Fragen wie „Bin ich richtig so wie ich bin?“, „habe ich bisher nicht bewusst gelebt?“, „Sind die bisher gelebten Denkmuster und das Leben in meinen bisherigen Strukturen richtig?“ Dies kann eine Person vollkommen aus der Bahn werfen, wenn sie auf radikale Denkmuster und Lebensweisen trifft.

Ich möchte mich in diesem Artikel nicht weiter darüber äußern, dies werde ich noch einmal in einem anderen Gedankengang zu einer anderen Zeit beleuchten.

Ich bin für Vielfalt, Akzeptanz, Transparenz, Diplomatie und Andersdenkende* Menschen! Wir sitzen alle im gleichen Boot, aber nur durch gemeinsame Lösungsstrategien können wir das Boot in Richtung Freiheit und Vielfalt lenken.

Es gibt auch eine sanfte, kluge und diplomatische Radikalität die keine Gegengewalt erzeugt!!!!!

Fleisch ade- vegan Juchhe

…oder, wie eine leidenschaftliche Fleischesser*in ein zumindest vegetarisches Experiment startet.

Bis vor ca. zwei Monaten habe ich mir wenig Gedanken übers Essen gemacht. Allerdings war und ist es mir noch heute wichtig frisch zu kochen und auch alles selber frisch herzustellen.

Ich war schon fokussiert auf Bioprodukte. Das Fleisch welches ich esse sollte ja von glücklichen Tieren kommen.

Es ist ja für uns Menschen einfach das Fleisch aus der Kühlung zu holen. Supermarkt rein, Biohackfleisch oder Putenkeulen in den Korb, bezahlen und dann zubereiten.

Wie der Weg des Fleisches war, bis es denn so schön fertig in der Kühlung lag, wissen wir zwar, allerdings versuchen wir es uns auch schön zureden. Auserwählte Tiere sind halt Nutztiere und deshalb gehört auch die Schlachtung in Betrieben dazu. Wie es passiert ignorieren wir gekonnt, wenn wir das gut riechende Stück T-bone Steak auf unserem Teller liegen haben und der Geschmack uns einen „Orgasmus im Mund“ beschert!

Vor zwei Monaten passierte es dann, dass ich eine Veganer*in kennenlernte. Zunächst belächelte ich ihre Art und Weise der Einstellung von Tierprodukten gegenüber . „Mein Gott, man kann sich doch nicht nur von Grünzeug und Soja ernähren. ICH bleibe beim Fleisch!“

Ich muss zugeben, dass ich es innerlich, auch wenn ich es nach außen hin nicht zeigen konnte, langsam Gefallen an dem „Sojazeug“ hatte. Klar, ich trank noch immer Milch oder habe Eier gegessen, dennoch probierte ich auch verschiedene Vanillesojadrinks aus. Ich musste feststellen, dass es doch recht lecker schmeckte. So kam es dann auch, dass ich in einem Bioladen immer öfters gesehen wurde.

An einem Abend wurde ich von ihr in die Curly Cow mitgenommen. Dies ist ein veganes Bistro in Witten. Skeptisch aber interessiert wie ich war, hatte ich mir dort einen „Taxiteller“ bestellt. Dies ist veganes Gyros, vegane Currywurst und Pommes.

Leute, mal ganz ehrlich! Geil! Hätte ich nicht gewusst, dass es vegan ist, ich hätte wirklich keinen Unterschied gemerkt! Ich wurde angefixt, zumindest mich selber in der Zubereitung einfacher Gerichte zu üben. Somit läutete ich eine vegane/vegetarische Woche ein. Zwei Gerichte sollten schon einmal ganz gut schmecken, leider war für weitere Gerichte keine Zeit.

Heute gibt es leider diese Person, die mich sehr zum nachdenken gebracht hat, nicht mehr in meinem Leben. Aber die Vorstellung zumindest es vegetarisch angehen zu lassen ist geblieben.

Ich will und möchte es zumindest versuchen.

Diese Person hat mich einmal gefragt, wenn Tiere meiner Meinung nach Nutztiere sind und geschlachtet werden dürfen, warum mir dann die Vorstellung Hund oder Katze Schlachten zu lassen, so zuwider sei.

Ich glaube, da ist was wahres dran…. die Augen der Tiere und der Schmerz der Tiere ist gleich. Egal, ob Schwein, Hase, Pute oder Rind. Ausbluten und Hinrichtung sind gleich. Wir Menschen missbrauchen das Vertrauen der Tiere zu unseren Gunsten und Egoismus. Schlachten möchten wir selber nicht oder die Tiere zur Schlachtbank hinführen. Da wäre das Geheule groß. „Das arme Tier.“

So gehen wir am nächsten Tag in den Supermarkt, gehen an die Kühlung, holen das Biofleisch heraus, legen es in den Korb, bezahlen und gehen ohne schlechtes Gewissen nach Hause und haben mit unseren Freunden einen gemütlichen Grillabend. In der gleichen Zeit werden schon wieder viele Tiere ihrem Henker mit Peitschen und Stromschlägen versehen, gewaltsam zugeführt. Peng!Kehlenschnitt, aufgehängt an einem Beim und ausbluten lassen für die treuen Kunden im Supermarkt.

Oder was nun sehr in Mode kommt, „Kauf eine Kuh“. Erst wenn alle Teile der Kuh reserviert sind, wird sie geschlachtet. Sie kann auch vorher besichtigt werden! Ich frage mich, wieviele Menschen wirklich die Kuh sehen und streicheln möchten!!! Na, was glaubt ihr?

In diesem Sinne, frohes Grillen!

Meine fleischlose Woche beginnt… zumindest mache ich die 100%?der glücklichen Kuh nicht voll!

Es ist wie es ist- oder die Legitimation des Wegsehens

Ich habe in einer sehr schwierigen Phase meines Lebens einen Satz häufig gesagt:

„Es ist wie es ist“

Ich durfte von einer Person erfahren, dass es falsch ist sich auf diesen Satz zu fokussieren.

Warum?

Steht dieser Satz nicht für Selbstaufgabe, Feigheit und Ignoranz? Natürlich, dieser Satz kann dabei helfen sich aus der Verantwortung zu ziehen. Er kann helfen, sich keine Gedanken über relevante Dinge zu machen.

Ist dies nicht zu einfach?

Dieser Satz bringt eine große Gefahr mit sich. Man verlernt für die Ungerechtigkeit, die Freiheit und Autonomie zu kämpfen. Meines Erachtens bringt genau dieser Satz die Gesellschaft wieder an einen Punkt zurück. Wir werden wieder zu Lemmingen, die nur noch stumpf hintereinander herlaufen und ohne Meinung und Rückgrat der Gesellschaft Untertan sind. Die anderen Gruppierungen, die genau auf diese Lemminge nur warten, eine Macht einräumen, die wir nie wieder haben wollten.

„Es ist wie es ist“ darf kein Bestandteil dieser Gesellschaft werden. Wir müssen hinsehen, hinhören, handeln und die Gruppierungen die andere Menschen unterdrücken, diskriminieren und demütigen den Kampf ansagen!

Der Satz aller Menschen soll und muss sein:“Es darf nicht so sein wie es im Moment ist!“ Schaut hin und helft mit!!! Lasst uns keine Lemminge sein, die keine eigene Meinung haben, sondern nur der breiten Masse folgen und alles ignorieren und akzeptieren was sie nicht direkt tangiert!

„Es darf niemals wieder so werden, wie es vor vielen Jahren war!“

Feierabend….

Eng aneinander gefercht wie Tiere in einem Tiertransport auf dem Weg zum Schlachthof, nach frischer Luft ringend, unangenehme Gerüche wahrnehmend, trete ich in der Schwebebahn meinen Heimweg an. Es ist fast schon ein Fluch, überall und wirklich überall riecht es nach diesem ekelhaften und abartigen Bier-und Schweißgeruch. Es gibt kein Entrinnen. Am schlimmsten ist der Atem eines Mannes in der Schwebebahn billig Bier, Ja Tabak und alte, ungewaschene Kleidung am Körper trägt. Arme Seele. Die meisten Alkies fahren von Oberbarmen nach Elberfeld und treffen Gleichgesinnte auf der Platte.

 Plötzlich kommt mir dieser Geruch entgegen. Bedrohlich nah und penetrant, lautlos und ohne Gnade. Ich setzte mich hin. Schlechte Wahl-denn die Schwebebahn wird am Feierabend immer voller. Ein junger Mann steht mit seinen Schritt zu mir gerichtet. Ohne Rücksicht kommt mir diese Knopfleiste immer näher. Direkt auf meine Kopfhöhe gerichtet. Ungeniert und von Dreistigkeit kaum zu übertreffen.  Ich drehe meinen Kopf weg und versuche dieser von mir gefühlten Bedrohung zu entgehen. Als diese Person aussteigt keimt in mir Hoffnung auf, dass ich ohne weitere Vorkommnisse meine Heimfahrt vorsetzen kann. Meine Hoffnung ist vergebens, es steigt wieder ein Herr ein und dreht mir sein Gesäß zu. Die Hose hängt soweit runter, so dass ich auch diesesmal einem unangenehmen Anblick  nicht entrinnen kann. Als dann die Schwebebahn unsanft anfährt passiert genau das was keine Person im Gesicht haben möchte. 

Warum ich das aufschreibe? Ich habe mir Gedanken über die „Nutztiere“gemacht, die im LKW genauso eng aneinanderstehen und nicht weglaufen können. Die alles über sich ergehen lassen müssen. Es kann passieren, das ein Tier kollabiert oder gebissen wird. Die Bedrohung und der Geruch von Angst und Panik der Tiere müssen grausam sein. Der Unterschied bei den Tieren und mir ist, ich darf nicht geschlachtet werden und ich habe eine Stimme und kann mich wehren und ich habe die Möglichkeit einfach aufzustehen und in die Freiheit zu gehen.

Ich frage nun, was kann das Tier im Tiertransporter unternehmen was auf dem Weg zum Henker ist? NICHTS…. Aushalten oder vorher an Erschöpfung sterben!

Guten Appetit 

Handy-„arm“

Da ich in Wuppertal arbeite habe ich mir aus zweierlei Gründen ein Ticket 2000 gekauft. Zum einen, weil der Bus im Stadtverkehr schneller ist und weil mich Autofahren mittlerweile stresst. Heute Morgen habe ich mich wieder einmal im Bus bewusst umgesehen. Es gab wirklich keine einzige Person ohne Handy in der Hand. Da wurde gechattet, gespielt, bei Facebook nach neuen ‚likes‘ geguckt und Telefoniert. Ich persönlich finde das Telefonieren im Bus oder in der Schwebebahn so schlimm. Letztens habe ich mir die Eheprobleme eine Frau anhören müssen. Da komm ich nach unzähligen Gesprächen, z.B. Umgangsrecht, Besuchsrecht etc. aus dem Büro- habe mich zuvor noch freundlich von meinem Büro verabschiedet ( mein Ritual) und freue mich auf den Garten, – und dann Das!!!!!!

Mittlerweile empfinde ich es als Zumutung nach getaner Arbeit mir diese Gespräche anhören zu müssen. Ich frage mich dann immer was in den Köpfen dieser Menschen vor sich geht. Haben sie das Bedürfnis nach Privatsphäre gänzlich verloren? Ist es die Ignoranz, die vorherrscht?

Ich bin ja immer ein Befürworter dessen, dass man auf seine Bedürfnisse achten soll. Manchmal erscheint es mir allerdings so, dass das Ausleben der Bedürfnisse eher mit totalem Egoismus verwechselt wird. Vielleicht sind dies auch die ersten Auswirkungen auf eine vergessende Erziehung der Generation davor.  Ich frage mich wo wir in ein paar Jahren stehen.

Früher, als ich noch überwiegend mit dem Auto gefahren bin, ist mir auch nicht aufgefallen wie groß die Bedürfnisnotlage vieler Menschen ist. Schon am Morgen sehe ich überwiegend Männer, die mit der Flasche Bier in der Hand ihr „komm in die Spur“ Bier trinken. Mittlerweile empfinde ich Ekel und Traurigkeit zugleich. Ist dies das Lebenskonzept? Wo ist die Perspektive dieser Menschen? Die Motivation etwas in ihrem Leben zu ändern? Oder unterstelle ich Ihnen gerade, dass sie nicht Glücklich sind und bezeichne sie als arme und verlorene Seelen- und das zu unrecht?

Vielleicht ist dies genau deren Sinn vom Leben, vielleicht ihr Lebenskonzept?

Es bleibt spannend…..

NORMAL ODER FREAK

„Du bist doch nicht normal!“ „Worüber du wieder nachdenkst!“ “deine Energie möchte ich mal haben!“
Kennen sie diese Sätze? Ich kann von mir behaupten, dass diese Sätze mich mittlerweile 42 Jahre begleiten. Irgendwann habe ich mir die Frage gestellt, ob ich wirklich nicht normal bin. Vielleicht sind die Anderen nur angepasst?!
Ich möchte jetzt keine philosophische Grundsatzdiskussion beginnen, es geht mir vielmehr darum bei mir einmal zu gucken, ob ich wirklich nicht normal bin…
Im Prinzip bezeichne ich für mich alles für Normal was mein Gegenüber durch mein Verhalten, sprich Handeln und Tun, nicht gefährdet.
Bringt Normalität vielleicht Sicherheit? Stehen die meisten Menschen deshalb auf das konservative Lebenskonzept? Ist es die Idee, das die Normalität beinhaltet morgens arbeiten zu gehen, abends nach Hause zu kommen, noch ein wenig Fernsehen zu gucken um dann ins Bett zu gehen? Ok, die Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken sollten noch die Normalität beinhalten. Vielleicht reden wir noch zwei Sätze mit dem Partner/der Partnerin. Man spricht über Urlaubsreisen, die man sich eh nicht leisten kann, weil noch das Auto in die Werkstatt muss oder der Kredit, den man für das neue Auto aufgenommen hat, es einfach nicht hergibt. Wir verfallen ins Träumen und sagen vielleicht:“Aber wir müssen irgendwann die Reise machen, wenn der Kredit abbezahlt ist und das Haus auch!“
Naja, wer in dieser normalen Gesellschaft mithalten möchte und dem Mainstream verfallen ist, der muss sich schon Verschulden. Ist es normal, dass wir mehr in der Zukunft als im Hier und Jetzt leben? Ist es normal, dass wir immer über mögliche Konsequenzen nachdenken, wenn wir dem Sicherheitskonzept der Gesellschaft nicht entsprechen? Was würde wohl passieren, wenn wir wüssten an welchen Tag wir sterben? Wenn wir genau den Tag, die Stunde und Sekunde kennen würden?! Ich glaube, unser gesamtes Gesundheits-/Renten- und Wirtschaftssystem würde zusammenbrechen. Wir würden vielleicht beginnen wirklich im Hier und Jetzt zu Leben. Die Gegenwart genießen und auf den Moment der da ist einlassen und sich beginnen wahrzunehmen. Unsere Bedürfnisse neu definieren und unser angepasstes Dasein neue Wertigkeit beimessen. Wer würde dann Normalität definieren? Wäre es die Gesellschaft oder der Mensch, das Individuum selber?
Was ist denn jetzt jeder Einzelne von uns? Egal ob hyperaktiv, individuell, spontan, alternativ, träumend, egoistisch, flexibel oder konservativ?
Was ist nun der Freak? Normal oder angepasst?
Und was bin ich?

STILLSTAND – ZEIT LÄSST SICH NICHT STOPPEN ABER SINNVOLL NUTZEN!

Ich weiß, mein Zeitmanagement ist nicht das Beste! Gestern sollte aber alles funktionieren. Ich sollte einen Arzttermin haben. Soweit so gut. Ich habe alles dafür getan damit ich ihn nicht vergesse. Es wurden auf meinem Handy extra drei Erinnerungen gestellt. Eine am Tag der deutschen Einheit, eine am Montag und eine am Dienstag. Um 14 Uhr suchte ich mir eine Busverbindung raus. Perfekt. 16:06 Uhr mit der Schwebebahn nach Elberfeld und dann um 16:20 Uhr weiter mit dem Bus.
Ich war so stolz auf mich ohne Zeitdruck einfach zum nächsten Termin zu erscheinen.
15:50 Uhr, Pc runterfahren, dazu zwingen keine Email mehr zu lesen, keinen Anruf zu tätigen und das Büro entspannt verlassen. Mein Büro höflich verabschieden (ein Ritual damit ich die Arbeit gedanklich dort lasse), Bürotür abschließen, Scheuklappen aufziehen und schnell an den Kollegen vorbei. Ich würde sonst vielleicht noch ins töttern kommen. Schnell noch ausstempeln und dann zur Schwebebahn.
Höchstleistung und enorme Disziplin!!! 16:02 Uhr an der Schwebebahn angekommen! Alle Eichhörnchen gekonnt ignoriert, wartete ich auf die Schwebebahn. Als die Schwebebahn dann einfuhr, konnte ich direkt einen Sitzplatz ergattern. Was dann geschah war einfach nicht zu planen…
Die Schwebebahn blieb einfach über der Wupper stehen! Und sie stand, bzw. sie hing! Zunächst kam uns eine Schwebebahn entgegen. Die zweite folgte ihr nach 5 Minuten. Ich schaute schon aus der Schwebebahn nach unten in Richtung Wupper und überlegte welche Knochenbrüche ich bei einem Sprung in Kauf nehmen müsste da der Wasserstand sehr niedrig war. Ich rief in der Praxis an und teilte der Arzthelferin mit in welcher Situation ich mich gerade befand. Wir lachten und sagten beide gleichzeitig:“dumm gelaufen!“
Mein Fazit für den Tag?
Zeit für etwas zu haben und sich Zeit für etwas zu nehmen haben zwei unterschiedliche Bedeutungen und dennoch sind beide enorm wichtig.
Zeit zu einem Termin zu fahren kann ich noch so gut planen, sobald etwas von außen diesen Plan negativ beeinflusst kann ich es in der Situation nicht verändern. Ich kann die Schwebebahn weder in der Luft verlassen noch kann ich die Weiterfahrt erzwingen.
ABER ich kann diese Situation wahrnehmen und akzeptieren, dass es ist wie es ist und sie für mich anders nutzen! Wie? Ich kann mir die Zeit nehmen und spontan diesen Blog schreiben. Zeit ermöglicht uns so viele wertvolle Ressourcen und die Möglichkeit neue Ideen und Perspektiven zu entwickeln. Es kann aber nur funktionieren wenn ich die jeweilige Situation lerne zu akzeptieren, dass sie ist wie sie ist!

GEFÜHLE SIND EMOTIONALE DENKFEHLER – IST DAS SO?

 

Ich beschäftige mich in letzter Zeit häufig mit dem Thema Gefühle. Das war nicht immer so…

Gefühle können so verwirrend sein, sie können mich beschützen, lenken, leiten- auch täuschen und zerstören. Sie können sich unterschiedlicher Bekleidung bedienen und diese mich tragen lassen. Weiter können mich Gefühle mit einer wohligen Wärme umhüllen und durch stürmische Zeiten tragen. Gefühle können sich auch sichtbar machen, indem sie lachen, weinen und  erstarren oder sarkastisch in Erscheinung treten. Manchmal ist der Ausdruck auch Wut in Form von Gereiztheit, Aggression anderen Menschen oder sich selbst gegenüber.

Welche Bedeutung haben nun Gefühle für mich? Was machen sie mit mir? Welche Gefühle sind wirklich wahr und welche nur der Mantel von Etwas? Ich denke noch immer, dass Gefühle emotionale Denkfehler sind. Sie sind sicherlich Hilfreich, aber nur dann wenn ich sie als ein bestimmtes Gefühl definieren kann. Wenn es mein Gefühl ist und nicht das Gefühl eines Anderen. Ach, Gefühle sind so schwer. Manchmal können sie einem den ganzen Tag versauen. Eine Steigerung sind die Gedanken zu den Gefühlen. Kennen Sie das auch, wenn man den ganzen Tag über etwas nachdenkt und dann unterschiedliche Emotionen erfährt? Man möchte sie wegschieben, geht aber nicht, sie sind einfach da. Sie fragen mich nicht, ob sie jetzt sein dürfen oder ob sie von mir eingeladen wurden. Sie können echt dreist sein. Umso mehr ich mich gegen das momentane Gefühl wehre, desto stärker wird es. Gefühle sind so egoistisch! Unter dem Motto:“Hallo, da bin ich! Schau doch zu wie du mich wieder los wirst!“

Klar, ich kann gegen ein unerwünschtes Gefühl ankämpfen oder es wegschieben und verdrängen. Aber ist diese Strategie hilfreich und für meine Seele heilend? Ich bin die Meisterin im verdrängen, aber mittlerweile weiß ich, dass diese Strategie nur kurzfristig hilfreich ist. Verdrängung wiegt mich nur kurz in Sicherheit. Sie hilft mir dieses unangenehme Gefühl wegzuschieben und es scheinbar kleiner werden zu lassen. Leider musste ich erfahren, dass diese Strategie nicht funktioniert. Ich kann unangenehme Gefühle nicht nur wegschieben. Sie werden auch nicht kleiner. Sie beginnen einen Kampf im inneren meines Seins.

Ich habe das Bild eines großen Sees vor Augen. In der Mitte des Sees befindet sich ein riesiger Strudel. Er ist gewaltig, laut und dreht sich immer schneller im Kreis. Wie ein Sog zieht er alle Gefühle in sich hinein. Eine Unruhe im Körper macht sich breit.

In meinem Fall ist es der Aktionismus, der mich nicht stillsitzen lässt. Der Strudel verhindert das Ausruhen. Er treibt mich an. Er treibt mich solange an bis auch ich selber im Sog des Strudels gefangen bin und mich versucht runter zu ziehen.

Man könnte jetzt denken, dass seien die Anfänge der Depression. Mag sein, Depression hat verschiedene Gesichter und unterschiedliche Kleidungsstücke an.

Wie kommt man aus dem Sog des Strudels wieder raus, bzw. gerät erst gar nicht hinein?

Ich habe gelernt, dass man Gefühle nicht wegschieben kann. Sie sind da, ob man will oder nicht. Interessant sind die Gedanken dazu….ich habe gelernt Gefühle wahrzunehmen und versuche sie zu akzeptieren. Ich darf auch wütend oder traurig sein, wenn ein unerwünschtes Gefühl hochkocht, aber mein Gedanke dazu ist:“hey, mein Monster, ich akzeptiere das du gerade vor mir stehst, aber ich werde dich nicht bekämpfen, sondern dich auf meine Reise mitnehmen.“

Manchmal schaffe ich es und mein Monster im Rucksack wird mit der Zeit kleiner. Manchmal packe ich auch positive Gefühle mit in den Rucksack und mit der Zeit wird das Monster immer kleiner….bis es ganz verschwunden ist….

Ich glaube, Gefühle sind keine emotionale Denkfehler, wir machen sie dazu! Oder?

ARMUT ODER REICHTUM

In gewissen Abständen ist bei uns in der Stadt Sperrmüll. Da verwandeln sich die Bürgersteige in riesige öffentliche Möbelhäuser. Da wird alles weggeworfen was dem Menschen scheint überflüssig zu sein. Früher hat mich dieses Ereignis nie interessiert. Desinteressiert bin ich meines Weges gegangen, über aufgerissene Mülltüten und diversen Hausrat gestiegen. Eher mit Ekel behaftet und Unverständnis über die Menschen die meinten in dem Müll zu wühlen. Gedanken wie – na, die scheinen es ja nötig zu haben oder so möchte ich niemals sein, gingen mir in diesen Momenten durch den Kopf. Mich haben die Menschen eher genervt die meinten meine Sachen, die ich wegwarf, an sich zu reißen. Wie die Geier stürzten sie sich auf alles was von Nutzen zu sein schien.

Eine Nachbarin half mir zum Perspektivwechsel. Sie ging schon seit Jahren los wenn Sperrmüll war. Sie Frage mich, ob ich mitkommen möchte. Ich verzog die Mundwinkel und merkte an, dass ich mir das Spektakel ja mal ansehen könnte. Ich zog mir also eine Mütze auf, welche von mir tief ins Gesicht gezogen wurde und wartete im Treppenhaus. Meine Nachbarin kam aus ihrer Wohnung, mit einem Rucksack bewaffnet und einem Ausdruck der Euphorie über die bevorstehende Aktion. Sie fragte mich, ob ich nicht auch einen Rucksack mitnehmen möchte? Mit einem süffisanten Lächeln teilte ich ihr mit, dass meine Hände zu keinem Zeitpunkt den Müll anderer Leute berühren würde und steckte meine Hände demonstrativ in die Hosentaschen.

Wir gingen also los. Es dauerte keine fünf Minuten und ich erblickte meinen ersten Schatz. Einen Hocker aus einem schwedischen Möbelhaus. Direkt daneben befand sich die dazu passende Couch. An beiden Möbelstücken war nichts, aber auch gar nichts dran. Nicht einmal ein Fleck oder eine kleine Macke. Ich dachte mir in diesem Moment nur das diese Gegenstände bestimmt  Scheidungs-oder Trennungsopfer waren. Die Couch konnte ich leider nicht transportieren, allerdings war das Tragen des Hockers möglich, also nahm ich meine Hände aus der Hosentasche. Ich war zu diesem Zeitpunkt auch ein Trennungsopfer und somit passten der Hocker und ich perfekt zusammen. Nachdem ich den Hocker oben in meiner Wohnung platziert hatte war ich von der Faszination Wegwerfgesellschaft angefixt und wollte Beute machen. Die 2. Etappe an diesem Abend war mit Rucksack und meine Hände verweilten nicht mehr in- sondern außerhalb meiner Hosentaschen. Heute, zwei Jahre nach diesem Ereignis bin ich absoluter Sperrmüllfan.

Wenn Sperrmüll ist wird mir immer wieder bewusst, das die eigentliche Bedeutung des Begriffs Armut in Deutschland  neu definiert werden könnte. Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich nicht wirklich bedürftige Menschen in Frage stellen möchte.  Vielmehr geht es mir darum einen kritischen Blick aufs eigene Konsumverhalten in der heutigen Wegwerfgesellschaft zu lenken. Es ist einfach unglaublich was die Menschen alles wegwerfen. Teilweise ist an diesen Gegenständen nur minimal etwas defekt. Mit wenig Geschick kann man daraus wieder ein voll funktionstüchtiges Einrichtungsstück machen. Ich weiß nicht wie viele Weichholzstühle und Kommoden ich bei mir in der Wohnung habe, die Richtung Wertstoffhof ihre letzte Reise angetreten hätten. Zeitgenössische Gegenstände würden einfach zerstört, künstlerische Arbeiten einfach im Müllwagen zermalmt.

Heute gilt häufig nur noch kaputt neu. 

Nun stelle ich die Frage: Werden wir Arm am Reichtum? Arm an Kreativität, Arm an Ideologie? Und reich an Sperrholz und Austauschbarkeit?

GENERATION UNACHTSAMKEIT

Meine Bushaltestelle befindet sich an einer Hauptverkehrsstraße 3 Minuten von meiner Wohnung entfernt. Um zu der Bushaltestelle auf der gegenüberliegenden Seite zu gelangen kann man zum einen über eine Ampel oder über eine Verkehrsinsel gehen. Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern hat sich für den bequemsten Weg entschieden, sie überquerte die Straße ohne eine von den beiden Varianten zu benutzen. Ich schätze das Alter der Kinder auf 3 und 6 Jahre. Beide Kinder waren mit Scootern bewaffnet. Hatte der ältere Sohn sein Gerät schon einigermaßen unter Kontrolle, so fiel es dem jüngeren Jungen sichtlich schwerer den Scooter über die Straße zu bewegen. Unbeholfen wie er war versuchte er sein Fortbewegungsmittel sicher über die Straße zu bringen. Stolperte vermehrt, zog den Scooter hinter sich her, legte ihn kurzzeitig ab. Diese Handlungen wurden mitten auf einer Hauptverkehrsstraße getätigt.

Voller Entsetzen über die Fahrlässigkeit der Mutter und dem Unverständnis, dass sie das Kind hinter sich herzieht, übte ich mich in Radikaler Akzeptanz. Allerdings konnte ich mich nicht ganz gegen ein lautes „echt jetzt“ wehren.  Ich  frage mich immer was sich in den Köpfen der Menschen verändert hat. Ist es der Versuch sich der Hektik und den Gefahren in der Stadt anzupassen? Oder sind es vielmehr die fehlenden Ressourcen sich mit Achtsamkeit seinen Mitmenschen zu begegnen?  Vielleicht ist es auch das Dilemma, das man mit sich in der heutigen Zeit zu sehr beschäftigt ist, als das man die Bedürfnisse seines Gegenübers wahrnimmt. Ich habe diesen Artikel bewusst mit dem Titel  Generation Unachtsamkeit beschrieben.

Wir müssen wieder lernen achtsam und respektvoll miteinander umzugehen. Wie ein Kind, das laufen lernt. Welches die Natur erkundet und neugierig für Neues ist. Wir müssen lernen Bedürfnisse wahrzunehmen, unsere eigenen aber auch die der anderen Menschen in unserer Umgebung.

Wann haben sie sich das letzte mal die Frage gestellt: „wie geht es mir“?

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